Stammdaten: So funktioniert das Baumverzeichnis

Ein Gespräch mit Friedhelm Sprick vom Ibbenbürener Bau- und Servicebetrieb

Wenn Friedhelm Sprick von seiner Arbeit im Bau- und Servicebetrieb der Stadt Ibbenbüren erzählt, wirkt seine Begeisterung sofort ansteckend. Man kann sich gut vorstellen, wie er 2005 mit dem gleichen Elan mit dem Aufbau der Baumdatenbank begann. Damals noch mit Lageplan und Notizblock, heute mit einem Tablet ausgestattet, sind die Baumkontrolleure unterwegs, um die städtischen Bäume in die Datenbank einzutragen, zu begutachten und bei Bedarf Pflegemaßnahmen einzuleiten. Inzwischen ist der Agraringenieur zu einem echten Baumexperten geworden, der auch dort Bewusstsein für Baumerhalt weckt, wo anfangs andere Interessen im Vordergrund stehen. Alles mit dem Ziel, die Begrünung der Stadt verkehrs- und zukunftssicher zu gestalten. Die Strategie geht auf: Unter anderem sind Sachschäden durch herabfallendes Totholz enorm zurückgegangen seit die Vorsorge mit Hilfe der Datenbank organisiert wird.

Herr Sprick, wie viele Bäume wachsen in Ibbenbüren?

Da wir nicht in die Gärten aller Ibbenbürenerinnen und Ibbenbürener hineinspazieren, kann ich diese Frage nur zum Teil genau beantworten: Ich weiß, dass aktuell 15.760 städtische Bäume regelmäßig vom Bau- und Servicebetrieb der Stadt kontrolliert werden. Wir pflegen kein vollständiges Baumkataster, sehr wohl aber eine detaillierte Datenbank, die alle Bäume im öffentlichen Raum listet. Unabhängige Baumkontrolleure können Privatpersonen aber selbstverständlich gerne zur Begutachtung ihrer Bäume in ihre Privatgärten einladen. Im Rahmen der Baumoffensive jetzt ja sogar mit Förderung.

Was wird in die Baumdatenbank eingetragen?

Bei Bäumen, die nach Einführung der Datenbank gepflanzt wurden, können wir sogar sehen, wann der Baum von wem gepflanzt wurde. Darüber hinaus beinhalten die Datensätze unter anderem den genauen Standort, die Baumart und natürlich den Zustand des Baumes. Wie man sich vorstellen kann, waren diese Informationen von besonders großem Wert im Zusammenhang mit dem Eichenprozessionsspinnerbefall. Wir konnten die Eichen in stark frequentierten Bereichen als erstes kontrollieren und waren sicher, keinen Baum zu übersehen.

Sie pflegen ja nicht nur die Datenbank, sondern mithilfe der Datenbank vor allem die Bäume. Wie entscheiden Sie, welcher Baum wann dran ist?

Die Datenbank hilft uns auch bei der Planung. Wir wissen immer genau, wie viele Bäume wo und wann kontrolliert werden müssen. Neu gepflanzte Jungbäume werden, je nach Standort und Verkehrsaufkommen, im Schnitt alle fünf Jahre kontrolliert. Bäume in der sogenannten Reifephase alle zwei Jahre und Bäume an Orten mit viel Verkehrsaufkommen, wie beispielsweise der Groner Allee, jedes Jahr. Das gilt auch für Bäume in der Alterungsphase mit einem Durchmesser von 70-80 cm. Die notwendigen Maßnahmen werden direkt in die Datenbank eingetragen.

Führt der städtische Bau- und Servicebetrieb nach der Kontrolle auch direkt die notwendigen Pflegemaßnahmen aus?

Wir sprechen von 1000 und 2000 kontrollierten Bäumen im Monat. Weil wir das allein nicht bewältigen können, beschäftigen wir zusätzlich externe Baumpfleger. Die Zusammenarbeit klappt sehr gut. Wir schicken einfach einen digitalen Auftrag an den entsprechenden Baumpflegebetrieb und markieren den jeweiligen Baum in der Datenbank-App. Nur eine Kleinigkeit läuft noch analog: Wir markieren auch den Baum selbst mit einem gelben Punkt am Stamm. Sind die Pflegemaßnahmen abgeschlossen, übermalt der Baumpfleger unsere Markierung mit einem blauen Punkt. So werden Bäume nicht verwechselt – und bei aller Digitalisierung führt natürlich kein Weg an der Sichtkontrolle vor Ort vorbei.

Kann man mit Pflege jeden Baum retten oder mussten auch welche gefällt werden?

2021 mussten wir leider ca. 110 Bäume fällen. Die Gründe dafür sind unterschiedlich, aber auch unsere Bäume leiden unter den Folgen des Klimawandels. Eichen sind witterungsbedingt gerade mit vielen Schädlingen belastet, auch Birken und Buchen haben es zunehmend schwer. Ich vermute sogar, dass wir Birken aufgrund der Trockenheit in unseren Breiten bald gar nicht mehr sehen werden.

Wie kann man den Baumbestand in Ibbenbüren sichern?

Betrachten wir unsere Möglichkeiten einmal optimistisch: Es entsteht Platz für neue Bäume, die mit dem veränderten Klima besser zurechtkommen. Langfristig könnte zum Beispiel die Steineiche eine Alternative zur deutschen Eiche darstellen. Auch Ahornarten wir die Queen Elisabeth sind sehr robust und halten mehr Trockenheit aus, und es gibt eine patentierte Ulmenart, die besonders krankheitsresistent ist. Wir erproben neue Arten indem wir sie bewusst auch an sogenannten Problemstandorten pflanzen und im Rahmen von Sonderkontrollen ganz genau ihr Wachstum beobachten. So lernen wir stetig dazu und finden Lösungen, um unsere Stadt auch in Zukunft grün zu erhalten.

Sie sind schon seit über zwanzig Jahren bei der Stadt Ibbenbüren angestellt. Mussten in dieser Zeit auch Bäume gefällt werden, die Sie selbst noch gepflanzt haben?

Leider ja, und das ist gar kein gutes Gefühl. Ein Baum braucht ja Zeit, um sich zu entwickeln und ich bin immer sehr daran interessiert, diese Entwicklung zu begleiten. Deshalb ist es traurig, wenn er zum Beispiel schon fünf Jahre geschafft hat und dann gefällt werden muss. Ich möchte natürlich auch gerne etwas mitgestalten, das auch die nächsten Generationen noch begeistert.

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