Das Mobilitätskonzept aus dem Fahrradsattel

Auf Tour mit Dr. Marc Schrameyer und Manfred Dorn

Die zwei kennen sich aus: Dr. Marc Schrameyer und Manfred Dorn sind von Anfang an ganz nah dran am Mobilitätskonzept. Gemeinsam machen sich der Bürgermeister und der langjährige städtische Abteilungsleiter Straßenbau mit dem Fahrrad auf den Weg. Ihr Ziel: Quasi aus dem Sattel heraus einige interessante Projekte des Mobilitätskonzepts vorzustellen.

Seit 1990 arbeitete der Straßenbauingenieur Manfred Dorn bei der Stadt Ibbenbüren; mehr als zehn Jahre davon in leitender Position, Ende 2021 ging er in den Ruhestand. In mehr als 30 Jahren hat er nicht nur die Entwicklung der Mobilität in der Region beobachtet, sondern aktiv mitgestaltet. Als er anfing, gab es in Ibbenbüren noch keinen einzigen Kreisverkehr, heute sind es derer 14. Viele davon hat er selbst geplant, an allen war er in irgendeiner Form beteiligt. Besonders gern erinnert er sich an den „Minikreisel“ an der Hansastraße – ein Projekt, das mit nur drei Monaten von der Planung bis zum Abschluss einen beachtlichen Geschwindigkeitsrekord in Dorns Laufbahn darstellt. Aber von den vielen Projekten, die er mitgestaltet und realisiert hat, ist ihm persönlich der Aasee-Rundweg am liebsten. Überhaupt hat er als passionierter Fahrradfahrer die größte Freude an Radwegprojekten. Und davon gibt es in Ibbenbüren derzeit mehr als genug, denn ein wichtiger Baustein auf dem Weg zur Mobilitätswende ist der Ausbau eines lückenlosen, sicheren Radwegenetzes mit angemessenen Radabstellanlagen und komfortablen Übergängen zu anderen Verkehrsarten wie Bus, Bahn oder Carsharing-Angeboten. Einiges ist schon passiert, anderes befindet sich bereits im Bau oder ist noch in Planung.

Fahrradbügel, Alter Posthof

Los geht die Runde am Rathaus. Der erste Stopp am alten Posthof ist nicht weit. Hier wurden 13 neue Fahrradbügel installiert. An diesem zentralen Zugang zur Innenstadt können Fahrräder sicher angeschlossen werden, ohne den Fußverkehr in den angrenzenden Gassen und Wegen zu behindern. Ein vergleichsweise unauffälliges Projekt, aber auch hier wurde im Vorfeld sorgfältig geplant: Die massiven Edelstahlbügel sind oftmals in Hülsen montiert, so dass sie sich bei Bedarf – zum Beispiel für eine Veranstaltung – herausziehen lassen. Circa 40 solcher Bügel sind im gesamten Stadtgebiet aufgestellt worden.

Mobilstation, Bahnhof Ibbenbüren-Laggenbeck

Weil den beiden die Bahnhöfe als Dreh- und Angelpunkt zwischen Nah- und Fern-, Individual- und öffentlichem Verkehr wichtig sind, machen sie anschließend eine kleine Tour zum Bahnhof Ibbenbüren-Laggenbeck. Die Einrichtung eines stadtweiten Systems von Mobilstationen ist ein Schlüsselprojekt des Mobilitätskonzepts, um den einfachen Umstieg zwischen den Verkehrsmitteln möglich und dabei komfortabel zu machen.

Dazu gehört nicht nur die Errichtung von sicheren und überdachten Fahrradabstellanlagen und Pendlerparkplätzen. Auch die Erweiterung des Mobilitäts- und Serviceangebots sowie die Beseitigung von Barrieren für mobilitätseingeschränkte Menschen sind wichtig. Als nächstes steht der Umbau des Ibbenbürener Hauptbahnhofs an. Der offizielle Spatenstich für die Umgestaltung des Bahnhofs Püsselbüren ist Anfang Dezember erfolgt.

Osnabrücker Straße

Weiter geht es Richtung Bahnhof Ibbenbüren, um von der Fußgängerbrücke einen Blick auf die Osnabrücker Straße zu werfen. Die wichtige Nord-Süd-Achse in Ibbenbüren wurde einst stadtauswärts mit zwei Fahrspuren und einer sogenannten Kriechspur für den Lastverkehr geplant. Diese wird in enger Zusammenarbeit mit dem Baulastträger Straßen.NRW 2022 durch einen baulich getrennten Radweg ersetzt.

Fahrradweg und Pendlerplätze

Um noch weiter klimafreundlich voranzukommen sind bereits Mobilstationen für Pendlerinnen und Pendler an den Autobahnauffahrten fertiggestellt worden. Bisher ist der Zugang zu diesen Plätzen noch chipbasiert, das heißt, Nutzende müssen sich einen Chip bei der Stadt abholen, aber in Zukunft wird das System noch komfortabler auf die Handynutzung umgestellt. Dann steht dem Weiterkommen mit dem Fahrrad und Fahrgemeinschaften wirklich nichts mehr im Weg.

Tempo 30, Wilhelmstraße

Nächste Station Wilhelmstraße. Sie bildet die Hauptachse zur sicheren und klimafreundlichen Erschließung der Schulstandorte. Dazu gehören mehrere Bauabschnitte, von denen vier bereits realisiert wurden. Der nächste Abschnitt liegt am Kepler-Gymnasium. Seit in dem Bereich mit zahlreichen Schulen ein Tempolimit von 30 km/h gilt, sind Schulkinder und andere Radfahrerinnen und Radfahrer jetzt sicherer und stressfreier unterwegs. Durchgehend Tempo 30 ist ein gutes Beispiel dafür, dass der Fokus auf einem Miteinander der verschiedenen Verkehrsgruppen, anliegenden Einrichtungen und Bürgerinnen und Bürgern liegt.

Aasee-Rundweg

Die touristischere Seite des Mobilitätskonzepts ist auf dem Weg mit einer Runde entlang des Aasees spürbar. Der neue Rad- und Fußweg am Aasee entlang, quer durch Ibbenbüren, muss den Vergleich mit anderen Abschnitten entlang der 100-Schlösser-Route – der „Königin der Radrouten im Münsterland“ – nicht scheuen. Rund um den Aasee wurde der Fuß- und Radweg auf einer Länge von drei Kilometern und einer Breite von 3,50 Metern erneuert. Die Breite wurde im Vorfeld diskutiert und ist dann so gewählt worden, dass zwei Fahrräder in einer Richtung nebeneinander fahren können und dem Gegenverkehr dennoch genug Platz bleibt – die richtige Entscheidung, wie sich inzwischen herausgestellt hat. Der Aasee-Rundweg selbst ist komplett asphaltiert, lädt damit auch zu einer Runde mit Inlinern, Roller, Laufrad oder Scooter ein, und ist jetzt auch für Seniorinnen und Senioren mit Rollatoren und Rollstühlen sehr gut befahrbar.

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