Ibbenbüren geht in die Klimaoffensive

Wohin führt der Weg? Was passiert unterwegs? Und wie können alle Bürgerinnen und Bürger mitgehen?

Auf der UN-Klimakonferenz in Paris sind 195 Staaten und die Europäische Union darin übereingekommen, die menschengemachte globale Erwärmung auf deutlich unter 2°C zu beschränken. Mehr als fünf Jahre alt ist dieses Übereinkommen inzwischen und der vereinbarte Vorsatz hat nichts an Dringlichkeit verloren. Ganz im Gegenteil, haben sich Themen wie Nachhaltigkeit, alternative Energien und Umweltschutz im Fokus der Öffentlichkeit verfestigt.
Mit der im März 2020 beschlossenen Klimaoffensive hat die Stadt die Ziele des bereits 2016 beschlossenen integrierten Klimaschutzkonzeptes für Ibbenbüren nochmals geschärft. Dabei wurden zahlreiche konkrete Maßnahmen festgelegt, die zusammen ein entscheidender weiterer Schritt sind, als Stadt seinen Beitrag dazu zu leisten, die Klimaziele von Paris zu erreichen.

Mit der Klimaoffensive 2020 verstärkt die Stadt ihre Anstrengungen für gutes Klima. Oberstes Klimaschutzziel: Bis 2030 will Ibbenbüren die CO2-Emissionen um 40 Prozent und bis 2050 um 85 Prozent im Vergleich zum Jahr 2013 senken sollen. Und dabei will die Kommune auch selbst vorangehen. So soll beispielsweise der gesamte Energiebedarf der Stadt bis 2050 um 45 Prozent gegenüber 2013 reduziert werden. Bis 2030 will die Kommune eine klimaneutrale Stromversorgung bilanzieren und bis dahin auf Schulen, dem Rathaus und städtischen Einrichtungen PV-Anlagen mit einer Gesamtleistung von mind. 2.000 kWp installieren. Weiterhin soll die Kläranlage als größten Stromeinzelverbraucher dann weitestgehend energieautark aufgestellt sein. Damit könnte die Stadt rund XX Prozent ihres eigenen Stromverbrauchs durch in Ibbenbüren erzeugten regenerativen Strom decken.

Die hohen Klimaschutzziele will und kann Ibbenbüren aber nicht allein erreichen. Alle Bürgerinnen und Bürger sind aufgefordert, mitzumachen. Die Stadt wird Investitionen in gutes Klima auf vielfältige Weise unterstützen. Für die kommenden Jahren und auch schon jetzt werden dazu unterschiedlichste Förderprojekte ins Leben gerufen. Und die positiven Reaktionen aus der Bevölkerung lassen darauf schließen, dass Ibbenbürenerinnen und Ibbenbürener motiviert sind, gemeinsam den Klimaschutz voranzubringen. Ob es der Bau von Photovoltaikanlagen, der Austausch der Heizung oder auch der Wechsel zum E-Bike oder E-Auto sind – die Menschen hier warten nicht mehr auf die Bundes- oder Landespolitik. Sie werden selbst aktiv, um ihren Beitrag für gutes Klima in Ibbenbüren zu leisten.
Eine der ersten Maßnahmen war der Klimafonds zur Förderung von Photovoltaikanlagen und Stromspeichern 2020 – mit Erfolg: In kürzester Zeit wurden 29 überwiegend private PV-Anlagen mit und ohne Batteriespeicher gefördert (siehe Seite 6). Und genau so geht es weiter. Der Rat hat für 2021 weitere 50.000 Euro Mittel für die Förderung des Baus neuer Photovoltaikanlagen und Stromspeicher bereitgestellt. Daneben wird an weiteren Förderprogrammen, wie für die Dachbegrünung, gearbeitet.

Zahlreichen Angebote zur Bürgerbeteiligung flankieren die finanzielle Förderung. Bei der Bildung des Klimabeirats wurden neben Vertretern aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft auch Bürgerinnen und Bürger eingeladen, Ibbenbüren hinsichtlich der Klimaoffensive zu beraten. Darüber hinaus kann sich jeder auch außerhalb der eingerichteten Gremien mit seinen Ideen beispielsweise an den Klimaschutzmanager Steffen Boße (Interview Seite X) wenden. Außerdem arbeitet die Kommune daran, jeden zu einem Klimabotschafter zu machen, der sich in diesem Bereich engagiert.

„Wir haben keine zweite Welt im Kofferraum“

Im Gespräch über die aktuell größte Klimaoffensive in Nordrhein-Westfalen haben wir Ibbenbürens Bürgermeister Dr. Marc Schrameyer nach seinen Wünschen aber auch den persönlichen Beweggründen gefragt.

Gibt es neben den umwelt- und gesellschaftspolitischen Gründen auch eine persönliche Motivation, aus der Sie sich für den Klimaschutz stark machen?
Ja. Ich möchte meinen Kindern eine lebenswerte Umwelt hinterlassen. Ich möchte meinen Beitrag dazu leisten, dass unsere Kinder auch in 50 Jahren auf dieser Welt noch gut leben können. Wir haben nach wie vor keine zweite Welt im Kofferraum.

Wie setzten Sie Klimaschutz als Privatperson um? Haben Sie eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach? Kommen Sie mit dem Rad ins Rathaus?
Ich habe eine Photovoltaikanlagen auf dem Dach, einen Batteriespeicher im Keller und erwärme mein Brauchwasser mit der Sonne, so dass ich zu gut 80% Prozent des Jahres energieautark vom Netz lebe. Unser Haus ist ein einfaches Beispiel eines Plusenergiehauses. Ein Ziel, dass dem Grunde nach fast jeder Hauseigentümer mit wenigen Maßnahmen erreichen kann. Ich fahre zudem so oft es geht mit dem Fahrrad ins Büro oder zu Terminen. Und wenn das nicht geht, rollt das Auto mit Ökostrom zum Ziel.

Eine Frage an den Rechtswissenschaftler Dr. Schrameyer: Hat die Umwelt Rechte?
Ja. Hat sie. 1994 wurde Art. 20a in das Grundgesetz aufgenommen. Dort heißt es: „Der Staat schützt auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung durch die Gesetzgebung und nach Maßgabe von Gesetz und Recht durch die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung.“ Diese sog. Staatszielbestimmung ist ein Programmauftrag für die öffentliche Hand. Danach haben wir uns zu richten.

Sie betonen häufig, wie wichtig Ihnen Ihre Familie ist und haben zwei Töchter. Sprechen Sie mit Ihren Kindern über Klimaschutz? Müssen Sie hin und wieder kritischen Fragen standhalten?
Mit der Großen spreche ich natürlich auch schon über das Thema Klimaschutz. Für kritische Fragen sind die beiden aber doch noch etwas zu klein. Das wird aber sicher kommen …

Und wenn Sie eine konkrete Maßnahme im Klimaschutz von heute auf morgen umsetzen könnten, welche wäre das?
Alle geeigneten Dachflächen bundesweit mit Photovoltaik belegen. Dann hätten wir zumindest unseren gesamten bundesweiten Stromverbrauch schon einmal klimaneutral und kostenlos von der Sonne gedeckt!

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